Mittwoch, 23.05.2018 02:57 Uhr

Der Turmbau zu Babel

Verantwortlicher Autor: SIR F.E.Eckard Prinz von Strohm Windeck, 12.05.2018, 15:20 Uhr
Presse-Ressort von: SIR F.E.Eckard Prinz von Strohm Bericht 2834x gelesen

Windeck [ENA] Immer wenn ich die Pfingstgeschichte höre, muss ich an den Turmbau zu Babel denken. Menschen werden sich uneins Damals, heißt es im Bibeltext, sprachen alle eine Sprache. Sie verstanden sich – auch im übertragenen Sinne. Und sie waren sich einig: sie wollten glänzen; sie wollten sich „einen Namen machen“, damit alle Welt von ihnen spräche. Deshalb fingen sie an, den Turm zu bauen.

Dieser sollte bis in den Himmel reichen. Und wenn ich an die Geschichte vom Turmbau zu Babel denke, dann bin ich stets verblüfft, wie aktuell die Geschichte doch ist. Auch heute wollen doch auch glänzen! Politiker, Schauspieler, Manager... vom Ego getrieben ihren Namen der Nachwelt zu hinterlassen. Wie schön wäre es, wenn wir uns einen Namen machen könnten, den man nicht wieder vergisst!

Wenn Deutschland beispielsweise den Superstar sucht, dann – denke ich jedenfalls – steckt bei den jungen Menschen sicher dieses Motiv dahinter: berühmt zu werden; jemand zu sein; nicht unterzugehen in der großen Masse. Der Wunsch nach dem Besonderen ist es, der sie antreibt. Der Wunsch, ein erfülltes Leben zu führen, das Bedeutung hat. Ich glaube, den Wunsch haben wir alle, auch wenn bei weitem nicht alle „Superstar“ werden wollen. Aber wer will schon ein „Niemand“ sein? Und Anerkennung und Bedeutung suchen wir im Leben ja doch.

Bei Schülern steht deshalb die Leistung ganz im Vordergrund. Karriere machen, viel Geld verdienen, und wenn das geschafft ist, ein Haus und eine Familie – das sind ihre Ziele. Im Grunde sind das auch unsere Ziele. Und denen opfert man fast alles: Freizeit, Gesundheit und manchmal auch die Moral. Der Zweck heiligt die Mittel. Manchmal glaube ich, dass dies unser Glaubensbekenntnis geworden ist: „Ich glaube an die Leistung, an mein Können und an mein Vermögen“ – und dann wundern wir uns, dass es unter uns hart und unfair zugeht; dass das eigene Fortkommen und das eigene Auskommen rücksichtslos an erster Stelle stehen. Aber klar, wie will man sich sonst einen Namen machen?

Die Frage, die in diesem Gedankengang gerade das Pfingstfest für mich aufwirft, ist: Müssen wir uns überhaupt einen Namen machen? Wir selbst, meine ich? Müssen wir – können wir – unserem Leben Sinn und Bedeutung geben; und vor allem: ist unser eigener Kopf dabei zielführend? Die Menschen in Babel bauten ihren Turm in der Absicht, sich einen Namen zu machen. Ihre Angst war, dass sie sonst in der Bedeutungslosigkeit untergingen, dass sie zerstreut in alle Lande würden, wie es in der Bibel heißt. Genau das ist dann geschehen, denn Gott hat ihre Pläne durchkreuzt. Als er sah, wie sie selbstherrlich nach dem Himmel griffen, verwirrte er sie und sie verstanden einander nicht mehr. (Sicher auch im übertragenen Sinne.)

Vielleicht wollte einer den anderen überbieten; wahrscheinlich ließen sie sich von anderen nichts sagen; ich stelle mir vor, wie es zu Streit und Uneinigkeit kam und Unmut, weil der Bau nicht so vorankam, wie man sich das vorgestellt hatte. Wie auch immer: die Menschheit, so erzählt die biblische Geschichte, wurde sich uneins. Weil sie ihre Pläne ohne Gott gemacht hat. Das war vor langer Zeit. Jedenfalls ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel schon zu Jesu Zeiten uralt. Und dann wird uns im Neuen Testament die Pfingstgeschichte erzählt. In Jerusalem wird ein Fest gefeiert und Juden aus „aller Herren Länder“ sind in Jerusalem, um im Tempel zu feiern. Naturgemäß sprechen sie verschiedene Sprachen, sie verstehen einander nicht.

Jesu Jünger und seine Jüngerinnen sitzen in einem Saal zusammen, ratlos, wie es nun weiter gehen soll. Ihr Messias ist auferstanden, aber auch aufgefahren in den Himmel. Sie sind ohne ihn zurückgeblieben und der, der ihnen seither vorangegangen ist, fehlt. Was wird jetzt aus ihnen? 1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an "einem" Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Ein Brausen; Feuerzungen; und ein gewaltiger Wind, sodass nicht nur das Haus erfüllt ist, sondern die ganze Gegend und Menschen zusammenlaufen, um zu sehen, was da los ist. So ist das Wirken und die Kraft des Heiligen Geistes. Kein laues Lüftchen, keine sanfte Bewegung, sondern etwas, das die Welt erschüttert und das Herzen öffnet und die Menschen verändert. Die Jünger und Jüngerinnen jedenfalls waren nicht mehr ratlos und verzagt.

Sie wussten unmittelbar, was jetzt dran war: die gute Botschaft zu verkündigen. Das Evangelium von der Auferstehung Jesu Christi; vom Sieg des Lebens über den Tod. Da ihr Herz voll ist, da öffnet sich plötzlich ihr Mund. Sie reden von ihrem Glück und ihrem Erlöser; von ihrem Glauben und ihrer Hoffnung – und sie erreichen damit die Herzen ihrer Zuhörer. Jeder, der zuhört, versteht, was sie sagen. Die Menschen verstehen einander. Ich stelle mir vor, dass auch für Lukas, der in seiner Apostelgeschichte das Pfingstwunder aufgeschrieben hat, klar war: mit diesem Ereignis wird die Verwirrung von Babel zurückgenommen.

An Pfingsten findet die Uneinigkeit der Menschen ein Ende. Egal, woher sie kommen, welcher Kultur sie entstammen oder welche Sprache sie sprechen: hier gibt es ein einigendes Band. Das ist der Glaube an Jesus, den Christus, der auferstanden ist. In der Pfingstgeschichte wird abschließend berichtet, dass an diesem Tag dreitausend Menschen zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben. Unglaublich! Eine andere Kraft als Menschenkraft.

Ja, irgendwie kommt uns das vielleicht doch ein bisschen unglaublich vor. Aber könnte nicht doch etwas dran sein? Könnte es nicht sein, dass Menschen gespürt haben – da ist eine andere Kraft am Werk als Menschenkraft? Was da passiert, das geht von Gott aus – nicht von diesen Männern, die eigentlich doch nichts weiter als gewöhnliche Fischer aus Galiläa sind, jedenfalls überwiegend nichts „Besonderes“. Und doch ereignet sich etwas ganz Besonderes: Menschen werden sich einig. Menschen fangen an, einander zu verstehen. Menschen richten ihren Blick auf Gott.

Und darin ist die Umkehr an Pfingsten im Hinblick auf Babel total. Dort schauen Menschen auf ihren eigenen Ruhm und wollen sich einen eigenen Namen machen und sich in den Himmel emporarbeiten; hier kommt Gott vom Himmel in die Herzen der Menschen, und sie bekennen Jesus als den Christus. Müssen wir uns einen eigenen Namen machen, habe ich vorher gefragt? Und die Antwort ist klar: nein, das müssen wir nicht. Wir haben einen Namen: wir heißen nach Christus. Wir sind Christen. Wir sind getauft.

Ja, ich weiß, im täglichen Leben klappt das nicht immer so. Nicht mit der Einigkeit und nicht mit dem Ego. Menschen sind sich auch zweitausend Jahre nach Christus noch uneinig. Dass wir uns oft nicht verstehen, dass uns manchmal Welten trennen, erleben wir nicht nur jetzt, wo so viele Flüchtlinge – zerstreut in alle Welt – zu uns kommen. Und wir erleben das nicht nur in der brodelnden „großen weiten Welt“, sondern auch im Kleinen, in unseren Wohnorten und Familien.

Aber wir erleben es, weil es halt immer und immer nach unserem Kopf gehen soll. Weil jeder sich am liebsten selbst der Nächste ist, weil wir unsere Ziele verfolgen, die nicht unbedingt Gottes Ziele sind; weil wir, um es an Pfingsten deutlich zu sagen, zu sehr auf uns selbst bauen und zu wenig mit dem Heiligen Geist rechnen. Deshalb wollen wir uns einen Namen machen und vergessen ganz, dass wir doch schon „Superstars“ sind. Gottes Superstars, anerkannt, geliebt, gesehen und unvergessen bei ihm. So sehr, dass er einer von uns geworden ist, um uns zu zeigen, was zu einem erfüllten Leben gehört.

Denn ja, wir können viel, aber, wonach wir uns am meisten sehnen und gerne greifen wollen – den Himmel, also Erfüllung und wahres Leben – gerade das können wir nicht machen. Der Himmel wird uns geschenkt, und dazu braucht es den Heiligen Geist. – Die Früchte des Heiligen Geistes sind Liebe, Güte, Friedfertigkeit. Aber auch Engagement und Begeisterung, die aus dem Herzen kommen und nicht aus unserem eigenen Kopf oder unserer eigenen Anstrengung. Und Dankbarkeit und Demut. Die Demut, die eigene Selbstherrlichkeit, die nach dem Himmel greifen will, aufzugeben und Christus den Herrn sein und dem Heiligen Geist die Führung lassen. Von ihm müssen wir uns inspirieren und leiten lassen.

Wenn das geschieht, dann kommt es zu Verstehen und Verständigung und damit zum Frieden. Der Heilige Geist verbindet. Öffnen wir ihm die Herzen. Denn nur wenn wir Ihm unsere Herzen öffnen, kann er uns führen und leiten. Das gilt nicht nur für unseren religiösen Wen oder unsere Spiritualität. Es gilt auch für unseren Alltag. Da ist Platz genug für seine Führung. Denn Liebe, Nächstenliebe sind im Alltag oft schwer zu leben. Dazu brauchen wir Seine Leitung.

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